Plan B Architekten & Ingenieure
Alsenstraße 8
55252 Mainz-Kastel

Telefon +49 (0)6134 93172 - 00
Fax +49 (0)6134 93172 - 18

info@planb-architekten.de

Zündholzviertel in Kostheim mit Polis Award ausgezeichnet

06.05.2016  |  Mainzer Allgemeine Zeitung


Ausgezeichnet. Das ist das Attribut, das die Fachwelt des Städtebaus dem Wohnviertel an der alten Zündholzfabrik beimisst. Bei einer Immobilienmesse in Düsseldorf erhielt der neue Teil des alten Kostheim eine Anerkennung beim „Polis-Award“ 2016, den eine Fachzeitschrift ausgelobt hatte.

Es ist kein direkter erster Preis, sondern eine lobende Erwähnung zusammen mit vielen anderen Projekten aus dem Bundesgebiet. Stadträtin Sigrid Möricke (SPD) nahm die Würdigung zusammen mit Olaf Geist von der Deutschen Reihenhaus AG am Mittwoch entgegen. Der Kreateur des Viertels, der Kostheimer Architekt Pitt Becker, bekannt als Gestalter der nahen Schneckenbrücke und Umgestalter des Kindertreffs Kiko, wusste nichts von diesem Glück. „Klingt doch ganz gut“, fand Becker, als ihn die Nachricht aus Düsseldorf schließlich erreichte.

Mit der Erwähnung beim „Polis Award“ gewinnt das Viertel an Bekanntheit. Der „Polis Award“ wurde in mehreren Kategorien vergeben. Die Stichworte lauteten urbanes Flächenrecycling, reaktivierte Zentren, öffentliches Engagement und lebenswerter Freiraum. Und eben soziale Quartiers-Entwicklung: Da stand die Kostheimer Zündholzfabrik im Wettbewerb mit anderen Projekten zur Abstimmung. Dabei ging es darum, wie Wohnen, Bildung, Kultur und Dienstleistung städtebaulich am besten unter einen Hut gebracht werden können. Die Zündholzfabrik liefert dafür ein Musterbeispiel mit einer Industrieanlage aus der Gründerzeit, mit Kindertagesstätte, Sportzentrum, Ateliers für Kunsthandwerker- und Kulturschaffende, Wohnhäusern und Eigentumswohnungen.

Im Rathaus fand die Preisvergabe ein beachtliches Echo. Der „Polis Award“ sei vielleicht kein ganz so großer Architekturpreis. Doch alltäglich sei seine Verleihung auf keinen Fall, sagte Hilmar Moser, Grundsatzreferent in dem von Stadträtin Möricke geleiteten Stadtentwicklungsdezernat. Dort waren die Fäden bei der Planung des Zündholzfabrik-Viertels zusammengelaufen. Bei der Preisvergabe erhielt die Stadt eine Urkunde. Die werde einen Platz im Dezernat bekommen, als etwas Besonderes, das mehr sei als ein bloßer Erinnerungsposten an eine Immobilienmesse, die weniger die Investoren als die einzelnen Projekte in den Fokus rücke, sagte Moser.

Wer an dem Wettbewerb teilnehmen wollte, musste sich bewerben und seinen Entwurf einreichen. Im Fall der Zündholzfabrik stehen als Beteiligte neben der Stadt Wiesbaden und der Deutschen Reihenhaus AG das Städtebau-Büro Scheuvens und Wachten im Protokoll. Der Architekt Pitt Becker als der eigentliche geistige Vater kennt die Entstehung des Zündholzfabrik-Viertels ganz genau. Wie die Anfänge waren in der weitläufigen und verwinkelten Fabrikanlage aus dem Jahr 1890, in der es zunächst überhaupt nicht voranging. Und zunächst die Idee von einem Handwerkerhof die Runde machte, bis endlich der Gedanke von einem neuen Wohnviertel die Oberhand gewann. Dann ging alles schnell, das Meiste ist fertig. Doch an Details wird immer noch gearbeitet.

„Wir hatten verschiedene Nutzungskonzepte mit möglichen Trägern entwickelt und mit der Stadtplanung abgestimmt“, sagt Becker. Die Bandbreite war groß, im Gespräch waren Seniorenresidenzen, betreutes Wohnen und der Bau von Mietwohnungen. Später kam der Gedanke auf, mit den Mitteln der modernen Architektur ein Stück historische Mitte in Alt-Kostheim zu erhalten. Mit Loftwohnungen, Kindertagesstätte, Sportzentrum und Reihenhäusern. „Es freut uns, dass die Umnutzung des innerörtlichen Areals erfolgreich und zufriedenstellend verlaufen ist“, sagt Becker. Wenn die alte Zündholzfabrik als Herzstück erst einmal fertig sei, werde das Quartier zu einem Ort, der Identität schaffe. „Kostheim ist dadurch ein Stück attraktiver geworden. Darauf kommt es letztlich an, sagt der Architekt.

Stadträtin Möricke, die in einer der vielen Jurys beim „Pols Award“ Mit-Preisrichterin war, stützt diese Position. Rund um die Zündholzfabrik seien unterschiedliche und schöne Plätze entstanden, auf denen die Vergangenheit des Stadtteils wieder auflebe. Das Konzept habe dazu beigetragen, dass Kostheim durch das Stadtumbauprogramm ein Stück Identität zurückerhalte. Dafür gebe es ein Indiz. Das seien die neuen Bewohner, von denen drei Viertel frühere Nachbarn der Zündholzfabrik gewesen seien. Sie hätten im Umkreis von weniger als fünf Kilometer von ihrem neuen Wohnort entfernt gelebt. Das Quartier sei ein Musterbeispiel für eine nachhaltige Stadtentwicklung in Wiesbaden.