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Kostheimer Kita ein Blickfang bei „Tag der Architektur“

25.06.2012  |  Mainzer Allgemeine Zeitung


Das Eckfenster scheint sich aus dem Gebäude herauszuschieben. Darin liegen rote Kissen. Man fühlt sich, als würde man draußen sitzen. Zur Linken wächst ein Weidentipi, geradeaus laden eine Rutsche und eine Holztreppe zum Hochklettern und ein Kriechrohr zum Durchkrabbeln ein. Ganz viel Grün.

Am Wochenende konnten Besucher den Neubau der AWO-Kindertagesstätte in der Hauptstraße in Kostheim beim „Tag der Architektur 2012“ besichtigen. „Es ist bereits das siebte Mal, das eine Realisierung unseres Büros an dieser Veranstaltung vorgestellt wird“, freute sich Architekt Peter-Friedrich Becker von Plan B. „Die Formensprache des Gebäudes geht auf eine einfache, kubische Form zurück“, erklärt Diplom-Ingenieurin Natascha Zimmer. Die Eckfenster bieten einen Rückzugsort und vielfältige Blickbeziehungen. Von außen sähe es so aus, als breche die Kante die Ecke des Gebäudes auf. Die Außenfarbe sei mit der Denkmalpflege gewählt worden.

Rote, natürliche Farben sollten das Gebäude nicht zu sehr hervorheben. „Ein Miteinander von Alt und Neu, ohne das sich die Gebäude gegenseitig die Show stehlen.“

Die vier Gruppenräume der Kinder seien in Südausrichtung erfolgt. Lange Gänge laden zum Spielen und Rennen ein.

Zimmer zeigt die Garderobe der roten Gruppe: ein breites Regal - eine Maßanfertigung - mit viel Platz zum Einsortieren von Kinderschühchen und Kleidung. Rahmen bieten Platz für Kinderfotos. Die roten Fensterläden im Innenraum des roten Erkerfensters können zugeschoben werden. So wird der Raum zum Ruheraum.

Große Glasfläche im Zentrum

Von der grünen Gruppe aus hat man einen schönen Blick auf die Schaukeln und die Zündholzfabrik. „Besonders wichtig war die große Glasfläche.“ Sie erlaube einen tollen Ausblick auf Zündholzfabrik, ehemaliges Speisehaus und die Lackiererei.

Bei der Außenanlage seien vorwiegend natürliche Materialien verwendet worden: Nestschaukel und Baumstämme zum Balancieren. Ein Weidentipi wachse sozusagen als „Lebende Hütte“ hoch. Vier Hochbeete in Natursteinen eingefasst und eine Kräuterspirale warten darauf, von kleinen Kinderhänden bepflanzt zu werden.“ Ein Novum sei, so Cornelia Held, Abteilungsleiterin der AWO-Kindertagesstätten, dass Waschräume und Gruppenräume miteinander verbunden werden konnten. Dazu hätte eine aufwendige Zustimmung des Gesundheits- und Sozialministeriums eingeholt müssen. Die Gruppenräume seien gut isoliert, das bedeute eine gute Atmosphäre für die bisher rund fünf Mitarbeiter. Nach und nach sollten die drei Kleinkinder und eine Kindergartengruppe eingewöhnt, und die Kita ab Mitte August richtig in Schwung sein. Bei den Möbeln habe man sich nach dem Gebäude gerichtet. „Weniger ist mehr“, erklärt Held „Kinder brauchten klare, einfache Formen und viel Platz.“ Held lobte die Zusammenarbeit mit dem Kasteler Architekturbüro. Sie zeigte auf das gemeinsam entwickelte Außengelände: Dort sei eine möglichst naturnahe Erhebung entstanden. In der Mitte für die Kleinsten eine mit Hecken umrandete Insel mit Sonnensegel. Sogar das alte Kopfsteinpflaster des Fabrikgeländes sei wiederverwendet. „Wir wollten unterschiedliche Untergründe für die Kinder schaffen.“

Durch die klaren Baukörper mit markanten Erkerfenster entstand ein für die Kinder leicht begreifbares Gebäude und Becker betont: „Wichtig war uns der städtebauliche Kontext, die Einfügung, das Zusammenspiel mit der benachbarten alten Zündholzfabrik.“ Becker wünschte sich für die Zukunft, „dass sich viele Kinder gerne an ,ihre Kita‘ erinnern werden.“